Von Thorsten Fischer und Stefan Krause

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht vor dem Hintergrund der COVID-19-Krise derzeit zwei Hauptaufgaben, denen sich alle Bürgerinnen und Bürger Deutschlands stellen müssen.

Die erste und wichtigste Aufgabe ist die Verlangsamung der Ausbreitung des Virus. Nur so könne verhindert werden, dass unser Gesundheitssystem überlastet wird und jeder Infizierte schnellstmöglich eine angemessene Behandlung erhält. „Unsere Selbstbeschränkung heute kann morgen Leben retten”, so Steinmeier.

Die zweite Aufgabe sei es, “unsere Wirtschaft über diesen dramatischen Einschnitt hinwegzubringen“. Denn die Corona-Krise dürfe keine Existenzkrise für Unternehmen werden und neben der Bevölkerung auch noch die Arbeitswelt infizieren.

Was passiert hier gerade?

Zum einen schürt die momentane Unsicherheit Ängste. Das ist vollkommen natürlich. Wir Menschen wurden über Jahrtausende hinweg durch die Natur darauf gepolt, Veränderungen in unserer Umwelt sehr genau zu beobachten. Es galt und gilt lieber einmal zu viel als einmal zu wenig durch Angstreaktionen „unsere Haut zu retten“. (Ein Rascheln im Gebüsch? Wird hoffentlich nur der Wind und kein Säbelzahntiger sein… COVID-19-Virus? Wird schon nicht so schlimm werden… oder doch?).

Obgleich die Reaktionen der Menschen vollkommen normal sind (nicht immer logisch-rational, aber eben natürlich), kann derzeit leicht Überforderung bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entstehen. Wer sich privat oder beruflich bereits seit einiger Zeit in einer belastenden (Extrem-) Situation befindet, für den können die aktuellen Geschehnisse einfach der letzte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Zum anderen ist zu beobachten, dass Unternehmen angesichts der ungewohnten Situation viele unterschiedliche Problemlösungsstrategien an den Tag legen. Innerhalb einer Woche entstehen sinnvolle und tragfähige Krankheitsfall-Richtlinien und flexible Heimarbeitsstrategien. Denn „Home Office“ hat sich als best practice herauskristallisiert. Was gestern noch als undenkbar für die Arbeit von zuhause galt, funktioniert remote heute dennoch. Was gestern zwangsläufig noch in einem Stunden-verzehrenden Offline-Meeting besprochen werden musste, kann heute (also doch) via E-Mail oder Telefon pragmatisch geklärt werden.

Worauf es jetzt ankommt

Unserer Ansicht nach gilt es als Führungskraft mehr denn je achtsames Verhalten an den Tag zu legen. Nicht der Achtsamkeit wegen, sondern schlicht und ergreifend, weil es die momentane Situation von Ihnen erfordert. Achtsamkeit ist derzeit oberstes Gebot für Führungskräfte.

Individuelle Achtsamkeit für mehr Gelassenheit

Sowohl für Sie als auch für Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedeutet, es ad-hoc erlerntes Verhalten bei Seite zu legen und andere Tagesabläufe einzuüben. Kinder sind parallel zu betreuen und der Schulstoff ist, zu vermitteln. Eltern sind zu versorgen und die beruflichen Ziele müssen weiterverfolgt werden. Dieser abrupte Change kann zu Stress, Überforderung und Ängsten bei Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern führen. Die Individuelle Achtsamkeitspraxis kann sie bei der Bewältigung unterstützen. Nicht zu versuchen im „Autopilot“ die Herausforderungen zu bewältigen, sondern innezuhalten und zu spüren, wie es einem selbst geht und was man selbst gerade braucht.

Und aus dieser Haltung heraus auch die eigenen Mitarbeiter-innen und Mitarbeiter zu integrieren und zu verstehen, was sie von ihrer eigenen Führungskraft gerade brauchen – ein offenes Ohr für die persönlichen Probleme, Entlastung von Aufgaben und Neuverteilung im Team, mehr Führung oder einfach nur ermutigender Zuspruch in dieser Ausnahmesituation.

Organisationale Achtsamkeit für mehr Chancen

Tragen Sie darüber hinaus aktiv zur Organisationalen Achtsamkeit Ihres Unternehmens bei. Anstatt in Aktionismus zu verfallen, gilt es Ruhe zu bewahren und die Geschehnisse um Ihre Organisation herum ganz bewusst wahrzunehmen. Wie verhalten sich Ihre Kunden? Wie Ihre Lieferanten und Partner? Wie sind die Geschehnisse des Marktes insgesamt? Auch kleine Veränderungen geben oftmals Aufschluss über Möglichkeiten und Chancen, die sich derzeit (zu Hauf) bieten.

Sie spielen schon lange mit dem Gedanken, Teile Ihrer Services oder Produkte zu digitalisieren und online anzubieten? Wenn nicht jetzt, wann dann? Probieren Sie es aus. Wagen Sie kleine Experimente und beobachten Sie, wie sich Ihre Stakeholder verhalten. Improvisation zahlt sich gerade jetzt aus. Chaotische Aktivität ist besser als geplante Inaktivität. Seien Sie kreativ, denn die Wirtschaft hängt am Ende auch von Ihrem Ideenreichtum in der Krise ab.

Und nach der Krise? Klingt wie eine Binse, aber lernen Sie aus den Geschehnissen! Es ist mehr als nachvollziehbar, dass der Drang besteht, nach Wegfall der strengen Regulationsmaßnahmen und Einschnitte der Arbeit wieder mit 110 % nachgehen zu wollen. Dennoch bietet sich hier die Chance, durch Lessons Identified und Lessons Learned die Resilienz Ihrer Organisation nachhaltig zu steigern. Denn Nach der Krise ist vor der Krise. Daher nehmen Sie sich die Zeit (zwingen Sie sich dazu), mit Ihrem Team trotz den drängenden Tagesgeschäftes ein umfassendes Review durchzuführen, um Schlüsse für die Zukunft daraus zu ziehen. Es wird sich um ein Vielfaches auszahlen.

Zu guter Letzt: Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern. Die Angst als Führungskraft vor Kontrollverlust ist ebenso natürlich, wie die Angst vor Viren oder früher vor Säbelzahntigern. Sie ist jedoch unbegründet. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter aktiv in den Problemlösungsprozess ein und schenken Sie ihnen das Vertrauen, welches sie benötigen, um auch von zuhause aus Bestleistungen liefern zu können. Sie werden nicht enttäuscht.

„Die Welt wird danach eine andere sein. In welche Richtung es geht, das hängt von uns ab”

[Frank-Walter Steinmeier]

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